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Sommer-Universität Lenk


Aula Schulhaus Lenk, Schulhausstrasse 2, 3775 Lenk | Lenk | Simmental | Berner Oberland
Fr, 24. Jul 2020 - mehr Termine
18:30 | 19:00, 5 Tag(e)
Veranstaltung | Familie | Touristische Veranstaltung
Top Event
Fr
24.07.2020
  • Information

Beschreibung

Hochwasserrisiko gestern, heute und morgen

In der Schweiz verursachen Hochwasserereignisse immer wieder Schäden in Millionenhöhe und sind für mehr als zwei Drittel aller durch Naturereignisse verursachten Schäden schuld. In den vergangenen 40 Jahren waren im Schnitt vier von fünf Gemeinden betroffen und rund jede siebte Person wohnt aktuell in einer von Hochwasser gefährdeten Zone. Rückblickend ist das Hochwasserrisiko in der Schweiz alles  andere als statisch. Siedlungswachstum, flussbauliche Massnahmen bzw. die gewählten Strategien im Risikomanagement machen aus diesem eine dynamische Grösse. Ein für die Zukunft bedeutungsvoller Risikotreiber kann auch der Klimawandel sein. Heutige Annahmen gehen davon aus, dass die erhöhte Zunahme von Feuchtigkeit durch eine wärmer werdende Atmosphäre häufiger und stärker zu Starkniederschlägen und folglich auch vermehrt zu Überschwemmungen, bzw. Hochwasserschäden führen wird. Der Vortrag zeigt auf, wo sich in der Schweiz die grössten „Hochwasser-Hotspots“ befinden und blickt anhand eines Fallbeispiels auf die Dynamik des Hochwasserrisikos. 

Markus Mosimann forscht zu Hochwassergefahren in der Schweiz und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut der Universität Bern, Mobiliar Lab für Naturrisiken.

Veränderungen im Gebirge, ihre Auswirkungen auf Naturgefahren und wie damit umgegangen wird

In den letzten Jahren haben die Folgen der allgemeinen Erwärmung im Gebirge bereits zu grossen Veränderungen im Umfeld von Gletscher- und Permafrostgebieten geführt. Eisabbrüche, Felsstürze, die Bildung von Gletscherseen, Murgänge und grosse Geschiebemengen in den Gewässern stellen die Sicherheitsverantwortlichen in diesen Regionen vor grosse Herausforderungen. Die Erwärmung wird weitergehen und die Veränderung voranschreiten. 

Im Vortrag wird gezeigt, welche Veränderungen in Zukunft im Berner Oberland zu erwarten sind, welchen Einfluss diese auf die Naturgefahren haben und wie sich die Gemeinden und der Kanton darauf vorbereiten. 

Nils Hählen ist Leiter der Abteilung Naturgefahren des bernischen Amtes für Wald und Naturgefahren. Davor war der augebildete Forstingenieur als Wasserbauingenieur beim bernischen Tiefbauamt tätig. Durch dieseTätigkeiten hat Hählen sämtliche Aspekte im Naturgefahrenbereich kennengelernt.

Klimabedingte Gletscherseeentwicklung - Gletscherhochwasser und Herausforderung der Massnahmendefinition

Durch abrupte Entleerungen des Gletschersees der Plaine Morte in den letzten Jahren ist es an der Lenk zunehmend zu Überflutungen gekommen. Der See ist durch das klimabedingte Abschmelzen der Gletscheroberfläche unter das Niveau der Wasserscheide zum Wallis hin entstanden. Der jährlich grösser werdende See entleert sich seit 2011 jeden Sommer subglazial in Richtung Lenk.

2018 erreichte der Abfluss während der Seeentleerung das Ausmass eines 300-jährlichen Hochwassers und führte zu Schäden im Siedlungsgebiet. Die Entleerung 2018 gab Ausschlag, Schutzmassnahmen für das Dorf zu evaluieren, denn durch die weiteren Gletscherveränderungen ist auch künftig mit einer Zunahme des Seevolumens und damit von schadenreichen Abflüssen zu rechnen. Aufgrund der sofortigen technischen Realisierbarkeit, der nachhaltigen Wirkung und der verhältnismässig tiefen Kosten wurde die Massnahme eines künstlichen Entwässerungskanals beschlossen und wurde im Sommer erfolgreich realisiert. Die Wirkung dieser Massnahme ist unter Berücksichtigung der künftigen Gletscherveränderungen und Abflussszenarien laufend neu zu beurteilen. 

Isabelle Kull ist Geomorphologin bei der Geotest AG.

Bauen im Gletschereis - wenn die Normalität die Ausnahme bleibt

Als von Seiten der Glaziologen bekannt wurde, welche Projektvarianten für die Eindämmung der Gefahr aus dem Geltschersee in Frage kamen, blieben nur gerade vier Monate für Planung und Umsetzung dieser Idee. Die unmittelbar drohende Gefahr machte es möglich, sämtliche betroffenen Instanzen für das 2-Millionenprojekt zu Höchstleistungen zu motivieren. Wie bringt man schwere Baumaschinen auf den Gletscher? Wie kann
man auf dem Eis in 2‘800 Meter über dem Meer in der Zeit mit dem grössten zu erwartenden Schneezuwachs gearbeitet werden? Verhält sich Eis wie leichter Fels? Und ist tatsächlich noch mit alten Blindgängern der Armee zu rechnen?

Auf zahlreiche Fragen mussten Lösungen gefunden werden, bevor Mensch und Maschine die Arbeit aufnehmen konnten. Neben vielen offenen Fragen, blieb die Gewissheit, dass die Normalität bei der Umsetzung dieses Projektes im Gletschereis die Ausnahme bleiben würde. 

David Hodel ist als Bauingenieur bei der Theiler Ingenieure AG tätig und war im ganzen Prozess nach dem Gletscherseeausbruch mit der Planung und Leitung von Hochwasserschutz im Tal und auf dem Gletscher sehr nahe am Geschehen.

Die Überwachungs- und Frühwarnanlage sowie das Wohnen auf dem Gletscher der Plaine Morte

Als sich 2011 unverhofft das erste Mal einer der Gletscherseen entleerte, wurden auf dem Plaine Morte Gletscher und am Trübbach mehrere Überwachungs- und Frühwarnanlagen aufgebaut. Diese Anlagen müssen alle Jahre wieder neu installiert und zurückgebaut werden sowie den ganzen Sommer über betreut sein. So ergab es sich, mehr durch Zufall, dass Hans-Ueli Hählen als aktiver Bergsteiger diese Aufgabe übernommen und bis heute betreut hat. Durch die Mithilfe bei den Installationen und den fast wöchentlichen Kontrollgängen vom Frühjahr bis im Herbst auf dem Gletscher und dessen Abflüssen, hat der Anlagewart hautnah erleben können, wie die Technik funktioniert und was alles mit dem Gletscher und seinen Seen passiert. 

Zudem war der Bergbegeisterte im letzten Frühjahr-Sommer nebenbei auch noch als Koch für die ganze Baumannschaft vom
Kanal tätig und stellt vor Augen, was es bedeutet und erfordert, um auf fast 3000 m.ü.M. für ein ganzes Team zu kochen und die einfache Unterkunft in Schuss zu halten. 

In seinem Referat zeigt und erklärt Hans-Ueli Hählen, anhand von aktuellen Bildern und Schemen, den Auf- und Abbau, das Funktionieren der Anlagen sowie des hauswirtschaftlichen Teils.


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Juli


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